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Hans Günter Dosch zum 65. Geburtstag

Berthold Stech


Günter Dosch kann seinen Geburtstag in seiner Geburtsstadt feiern, denn er wurde in Heidelberg geboren. Er studierte hier und in Paris, arbeitete am Institut für Theoretische Physik bei Jensen und Stech und wurde 1963 in Heidelberg promoviert. Bereits Doschs erste Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Physik, darunter seine Promotionsarbeit über das Deuteron, stellten einen bedeutenden Fortschritt für das Verständnis zusammengesetzer Elementarteilchen dar. Seine souveränen Kenntnisse und Fähigkeiten brachten ihm frühe Anerkennung und Angebote von Forschungsstellen an Hochenergieinstituten in Heidelberg, im Europäischen Forschungszentrum CERN und im Kernforschungszentrum Karlsruhe. Seiner Habilitation 1966 folgte eine wiederum sehr erfolgreiche 2-jährige Tätigkeit am Massachusetts Institute of Technology in den USA, wo Dosch im engen fruchtbaren Kontakt mit den Professoren Low und Fubini stand. 1969 wurde er zum ordentlichen Professor für theoretische Physik am Institut für Theoretische Physik der Universität Heidelberg berufen. Mit einer Fülle von wichtigen Arbeiten gab und gibt Günter Dosch bedeutende Anstöße für das theoretische Verständnis der Elementarteilchen.

Am Anfang standen die analytischen Eigenschaften von Streuamplituden und ihre Verknüpfung mit der Algebra von Teilchenströmen im Vordergrund seines Interesses. Diese Arbeiten haben direkten Bezug zu Streuprozessen von Nukleonen und zur Photoproduktion von Mesonen. Der Bereich der Nukleon-Nukleon- und Nukleon-Hyperon-Wechselwirkung stellt heute nur einen kleinen Teil der erstaunlich vielfältigen Aktivitäten von Dosch dar. Aber auch dieser Teil gestaltet sich weiterhin sehr erfolgreich. Doschs Ergebnisse sind für die Interpretation und die Fortführung der zugehörigen Experimente von großer Bedeutung. Nach der Entdeckung von Quarks und Gluonen als die elementaren Bausteine der Materie wurde die zugehörige Feldtheorie, die Quantenchromodynamik, das Hauptarbeitsgebiet von Günter Dosch. Er konzentrierte sich besonders auf diejenigen Probleme und Anwendungen, bei denen die Störungstheorie versagt und wo es gilt, grundlegend neue Ansätze zu entwickeln und zu erproben. Vielfältige Probleme und Phänomene wie die Spektren von Hadronen, die spontane Brechung von Symmetrien, Zerfälle von Teilchen konnte er mit großem Erfolg bearbeiten. Mit Hilfe sehr raffinierter theoretischer Methoden gelang ihm die Entdeckung wichtiger Zusammenhänge. Dosch ist führender Experte in der quantenchromodynamischen Behandlung von Baryonen und hat mit seinen Vorstellungen zur Struktur des Vakuums Bahnbrechendes geleistet. Die Beschreibung von hochenergetischen Hadron-Hadron-Streureaktionen ist nur ein Forschungsgebiet, auf dem Günter Dosch seine Vorstellungen von der Vakuumstruktur mit großem Erfolg zur Erzielung quantitativer Resultate eingesetzt hat. Seine und seiner Mitarbeiter Arbeiten werden vielfach zitiert und sind Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen in einem sich schnell entwickelnden Feld. Die Bedeutung der erzielten Resultate und sein hohes internationales Renommee führten zu zahlreichen Kontakten mit hervorragenden Wissenschaftlern des In- und Auslands und deren Arbeitsgruppen. Es besteht eine sehr enge und fruchtbare Zusammenarbeit, die der Forschung und der von Dosch besonders liebevoll gepflegten Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zugute kommt. Seine zahlreichen Schüler, von denen nicht wenige sehr erfolgreiche Karrieren machten, bleiben bis heute in Kontakt mit ihm.

Die akademischen Interessen von Günter Dosch gehen weit über die Physik hinaus. Er hält für Hörer aller Fakultäten viel besuchte Vorlesungen über Musik, arbeitet an physiologisch-physikalischen Gesetzmäßigkeiten des Hörens und ist ein ausgezeichneter Kenner von Philosophie, Geschichte und alten Sprachen. Beiträge von ihm auf Symposien über "Natural Science and Thought" und zur Philosophie von Leibniz und Cassirer sind Beispiele für seine weit reichenden Fähigkeiten, von denen Studenten und Kollegen profitieren.

Nicht unerwähnt an seinem Geburtstag soll auch die besonders erfreuliche wissenschaftliche und menschliche Atmosphäre im Institut am Philosophenweg bleiben. Doschs frischer Humor, seine einfühlsame menschliche Wärme und Hilfsbereitschaft sind tragende Pfeiler dafür.